Es ist wieder so weit. Nach zwei Monaten Pause starten wir am 15. März endgültig ins neue Veranstaltungsjahr.
Den Anfang macht am 15. März eine Matinee aus unserer im letzten Jahr entwickelten und jetzt fest etablierten Lese-Literaturreihe. Heuer steht die Reihe im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse, die in diesem Jahr den Länderschwerpunkt Tschechien hat, unter dem Motto „Kafka, Kisch und Co.“ Die erste von insgesamt vier, über das Jahr verteilten Sonntags-Matineen ist der Schriftstellerin Lenk Reinerová gewidmet.
Der in Spiegelhütte ansässige Journalist und Buchautor Norbert Schreiber, früher Politik- und Kulturredakteur beim Hessischen Rundfunk, beschäftigt sich seit Jahren mit den Literaturen Osteuropas. Er traf Lenka Reinerová einige Monate vor ihrem Ableben in Prag im Jahr 2008. Es war ihr letztes Interview über ein spannungsreiches Leben als letzte Vertreterin der deutschsprachigen Literatur aus dem „Prager Kreis“.
Sie war die Kronzeugin dieser Literatur aus der Generation der Schriftsteller Franz Kafka, Max Brod, Egon Erwin Kisch, Franz Werfel und Rainer Maria Rilke. Lenka Reinerová war Tschechin, Deutsche, Jüdin und bekennende Europäerin in einer Person. Ihre engagierte Persönlichkeit war geprägt von einem unerschütterlichen Glauben an das Gute, an die Gleichheit und die Gerechtigkeit unter den Menschen.
Ein volles, pralles Leben einer Prager Schriftstellerin, vor historischen Hintergründen: Sie erlebte die letzten Tage Habsburgs, Masaryks erste Republik, die Besatzung durch Nazi-Deutschland, Verfolgung durch Nazis und Kommunisten, sie überlebte die erstarrten Jahre im Kommunismus, das Scheitern des Prager Frühlings, die Besetzung durch sowjetische Truppen 1968 und die „samtene Revolution“, den überwiegend ohne Gewaltanwendung erfolgten Übergang der CSSR von der von einer Einheitspartei geführten Machtelite-Herrschaft im Kommunismus zur parlamentarischen Demokratie im Jahr 1989.
Als Literatin war Lenka Reinerová in den Prager Cafés und Literatur- Zirkeln unterwegs, von den Nazis und Kommunisten verfolgt, interniert. So erlebte sie als Exilantin eine Irrfahrt und ein unstetes Wanderleben rund um die Welt.
Ihre Stimme im „Prager Deutsch“ für ein einstündiges Interview ist ein letztes Dokument aus einer untergegangenen Welt.
Norbert Schreiber berichtet bei der Matinee von dieser Begegnung mit der Literatin, präsentiert Ausschnitte aus seinem Interview mit ihr, zeigt Videoclips über Lenka Reinerová und liest aus zahlreichen Erzählungen. Vor allem aus dem „Traumcafé“ einer Pragerin und dem „Geheimnis der nächsten Minuten“. Sowie aus den Memoiren ihrer Tochter Anna Fodorova, die über den Abschied von ihrer Mutter schreibt“. Eine multimediale Matineé mit Filmausschnitten, Audios und Lesung im Schloss Buchenau.
Sonntag, 15. März 10.30 Uhr
Närrisch an das Leben glauben
Das letzte Prager Deutsch der Literatur von Lenka Reinerová
Der Eintritt ist frei, über Spenden zugunsten der Schlossrenovierung würden wir uns freuen.

